Am Haus ist ein Sonnenschutzvordach eine horizontale Auskragung über einem Fenster, und die Methode 3CL-DPE 2021 führt sie als Nahverschattung « baie sous un balcon ou auvent ». Der Faktor hängt dort allein an der Auskragung: 0,8 unter 1 m, 0,6 zwischen 1 und 2 m, 0,5 zwischen 2 und 3 m, 0,4 ab 3 m, ohne Unterscheidung nach Ausrichtung. Die Geometrie steht dagegen in keiner Tabelle: die Auskragung, die ein 2,15 m hohes Fenster zum wahren Mittag der Sommersonnenwende vollständig verschattet, reicht von 0,99 m in München bis 1,25 m in Hamburg, und dieselbe Auskragung lässt zur Wintersonnenwende nur 0,29 bis 0,33 m Schatten am oberen Rand stehen, also 13 bis 15 % der Fensterhöhe. Dieses Verhältnis, nicht das Komfortversprechen, hält vor dem Kunden und vor einem billigeren Wettbewerbsangebot stand.
Was das Sonnenschutzvordach im Nachweis wert ist, und unter welchem Namen
Die Nahverschattungsklasse und ihre Faktorentabelle
Die 3CL kennt das Wort Vordach nicht. Sie kennt vier Familien von Nahverschattungen, und eine horizontale Auskragung über einem Fenster fällt unter « baie sous un balcon ou auvent ». Die Tabelle ist kurz und nicht auslegungsfähig.
| Erfasste Nahverschattung | Auskragung | Ausrichtung | Faktor |
|---|---|---|---|
| Fenster unter Balkon oder Vordach | unter 1 m | alle | 0,80 |
| Fenster unter Balkon oder Vordach | 1 bis 2 m | alle | 0,60 |
| Fenster unter Balkon oder Vordach | 2 bis 3 m | alle | 0,50 |
| Fenster unter Balkon oder Vordach | 3 m und mehr | alle | 0,40 |
| Fenster in Balkon- oder Loggienrücklage | unter 1 m | Süd | 0,50 |
| Fenster in Balkon- oder Loggienrücklage | 3 m und mehr | Süd | 0,20 |
| Keine Nahverschattung | entfällt | alle | 1,00 |
Zwei Lehren für die Kalkulation. Der erste Schritt ist der rentabelste: von null auf 1 m Auskragung fällt der Faktor von 1,00 auf 0,60, also 40 % weniger solare Gewinne, während der Schritt von 2 auf 3 m nur weitere zehn Punkte bringt. Und die Tabelle honoriert beim Vordach die Ausrichtung nicht, anders als bei der Balkonrücklage: ein Nordvordach zählt wie ein Südvordach, was eine Grenze der Methode ist und kein Verkaufsargument.
Nah mal fern, oder warum das Vordach nie allein wirkt
Der Besonnungsfaktor eines Fensters ist das Produkt aus Nah- und Fernverschattung. Ein Vordach von 1,20 m vor einem Fenster, das bereits durch eine Nachbarwand verstellt ist, multipliziert beide Koeffizienten, und die Rechnung wird bei den Wintergewinnen schnell pessimistisch. An einer völlig freien Fassade trägt das Vordach dagegen die gesamte Wirkung allein. Die Fernverschattung wird getrennt erfasst, und wie die Verschattung in die Berechnung eingeht sollte geprüft werden, bevor man auf den Gewinn schließt.
Was beim Ortstermin aufgenommen wird, damit die Eingabe der Prüfung standhält
Drei Maße genügen, und alle drei werden gebraucht. Die Auskragung in horizontaler Projektion, von der Außenkante der Verglasung bis zur Vorderkante des Vordachs. Der Abstand zwischen Vorderkante Vordach und Oberkante Verglasung, der die Schattenlinie nach unten verschiebt und den die Tabelle ignoriert, das Gebäude aber nicht. Die Ausrichtung des Fensters per Kompass, für den Rest der Rechnung. Ein Foto von außen mit ausgezogenem Bandmaß im Bild ist mehr wert als ein aus dem Gedächtnis eingetragener runder Wert.
Die Auskragung bemessen: Sonnengeometrie statt Herstellerkatalog
Die Auskragung, die zur Sonnenwende verschattet, Breitengrad für Breitengrad
Zum wahren Mittag beträgt die Sonnenhöhe 90° minus Breitengrad, plus oder minus die Deklination von 23,44°. Die Auskragung, die die gesamte Verglasungshöhe in den Schatten stellt, ist dann die Fensterhöhe geteilt durch den Tangens dieses Winkels. Für ein übliches Fenster von 2,15 m, dessen Vordachvorderkante auf Sturzhöhe liegt, ergibt das Werte, die zwischen Hamburg und München um ein Viertel auseinanderliegen.
| Stadt | Breite | Sonnenhöhe am 21. Juni | Auskragung für 2,15 m | Sonnenhöhe am 21. Dezember | Restschatten am 21. Dezember |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 53,6° N | 59,9° | 1,25 m | 13,0° | 0,29 m |
| Berlin | 52,5° N | 60,9° | 1,20 m | 14,0° | 0,30 m |
| Frankfurt am Main | 50,1° N | 63,3° | 1,08 m | 16,4° | 0,32 m |
| München | 48,1° N | 65,3° | 0,99 m | 18,4° | 0,33 m |
Der Abgleich mit der Faktorentabelle ist aufschlussreich. Im gesamten Bundesgebiet liegt die geometrisch richtige Auskragung zwischen 0,99 und 1,25 m, also oberhalb der ersten Schwelle: ein korrekt bemessenes Vordach landet in der Klasse 0,60 und nicht in der Klasse 0,80. Nördliche Breiten zahlen das mit Tiefe: Hamburg braucht ein Viertel mehr Auskragung als München für denselben Schatten, und das ist eine statische Größe, kein Detail der Ausführung.
Was dieselbe Auskragung an Wintergewinnen kostet
Der Standardeinwand des Kunden lautet, man nehme ihm die Januarsonne. Die Rechnung antwortet darauf. Bei der oben ermittelten Auskragung bleibt der Schatten auf dem Fenster am 21. Dezember mittags zwischen 0,29 und 0,33 m, also 13 bis 15 % der Höhe eines 2,15-m-Fensters, und er liegt am oberen Rand der Verglasung, dem Teil, der die Raumtiefe belichtet, aber die Speichermassen nicht besonnt. Das Verhältnis liegt damit bei etwa eins zu sieben zwischen dem, was man im Juni abschneidet, und dem, was man im Dezember verliert. Das ist der eine Satz dieses Artikels, der sich im Termin von selbst vertritt.
Ost und West: wo die horizontale Auskragung nicht mehr wirkt
Nach Süden unterscheiden sich die Sonnenhöhen der beiden Sonnenwenden um mehr als 46°, und genau diesen Unterschied nutzt das Vordach. Nach Osten und Westen steht die störende Sonne früh und spät am Tag flach über dem Horizont, in jedem Monat: eine horizontale Auskragung von 1 m schneidet dort fast nichts ab, und die Faktorentabelle spricht ihr trotzdem dieselben 0,60 zu. Die Antwort ist vertikal, seitliche Blenden oder ein verstellbarer Sonnenschutz, und das gehört dem Kunden gesagt, statt ihm ein Vordach zu verkaufen, das nicht arbeiten wird.
Wo das Vordach im Maßnahmenplan steht
Sein Rang gegenüber Dämmung und Lüftung
Das Vordach wirkt auf die Gewinne, nicht auf die Verluste: es verschiebt keine Effizienzklasse und eröffnet keine Förderung. Es wird also nach Hülle und Lüftung vorgeschlagen und je Fenster begründet, nicht je Gebäude. Bei einem gut gedämmten Haus nach 1975 sind große Südfenster oft die erste Überhitzungsquelle, noch vor dem Dach, und die Maßnahme rückt nach vorn. Die vollständige Liste der passiven Lösungen vor jeder Kühlung dient dazu, das Vordach in dieser Reihenfolge zu verorten, nicht dazu, es durchzusetzen.
Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Gewerbe: was sich im Angebot ändert
Beim Einfamilienhaus ist das Vordach ein Fassadenbauteil: Lastabtragung, Abdichtung, Oberfläche, und eine Position für Gerüst oder Hubarbeitsbühne, die oft so viel wiegt wie die Profile. Beim Mehrfamilienhaus ist die Fassade Gemeinschaftseigentum, das Bauteil geht über die Eigentümerversammlung, was die Unterschrift um ein bis zwei Jahre verschiebt. Im Gewerbe ändert die Glasfläche den Maßstab: Windlasten werden bemessungsrelevant, ein statischer Nachweis wird erwartet, und die Wartung wird vertraglich geregelt. Diese drei Fälle kalkulieren sich nicht mit demselben Meterpreis.
Die zu kombinierenden Schutzmaßnahmen je nach Exposition
Ein Vordach allein beantwortet eine Ausrichtung und ein Zeitfenster. Der Rest wird ergänzt.
- Verstellbare Sonnenschutzlamellen an Ost- und Westfassaden, wo die Sonne flach steht.
- Außenjalousien und Läden, die vor der Verglasung arbeiten und nicht darüber.
- Dachüberstände und Pergolen, wenn die vorhandene Geometrie eine Verlängerung zulässt.
- Sommergrüne Begrünung, die im August verschattet und im Januar durchlässt.
Ausführung: wofür die Gewährleistung einsteht
Materialien und Metallverträglichkeit
Pulverbeschichtetes Aluminium bleibt der Standard wegen Gewicht und Formstabilität, sofern elektrochemische Paarungen mit Stahl, Kupfer oder Edelstahl getrennt werden, besonders in Meeresnähe. Stahl verlangt Feuerverzinkung und eine systematische Nacharbeit an Schnittkanten, sonst beginnt die Korrosion an der Kante. Holz verlangt eine zur Exposition passende Gebrauchsklasse und eine Konstruktion, die kein Wasser hält. Beton ist robust, aber schwer: Lastabtragung, Rissbildung und Tropfkante werden geprüft, bevor man ihn im Bestand vorschlägt.
Befestigungen und Durchdringung der Außendämmung
Die Lastabtragung erfolgt in den tragenden Untergrund, niemals in die Dämmung. Auf Vollmauerwerk Dübel oder Verbundanker je nach verfügbarer Verankerungstiefe. Bei Außendämmung abgesetzte Konsolen oder thermisch getrennte Anschlussplatten, bemessen auf Wind- und Schneelast des Standorts, mit einer Abdichtung im Anschluss an die Unterspannbahn: hier entstehen die Anschluss-Wärmebrücken und die Wasserwege. Die Anforderungen des gedämmten Untergrunds sind in unserem Artikel zur Wärmedämmung von außen beschrieben.
- Vorbohren und Unterfüttern, damit die Dämmung unter der Platte nicht gestaucht wird.
- Isolierende Unterlegscheiben zwischen unterschiedlichen Metallen, an der Küste immer.
- UV- und bewegungsverträgliche Dichtungen, im Wartungsvertrag zu erneuern.
Wasser, Korrosion und die Blätter für die Ausführungsunterlagen
Ein Gefälle nach außen, eine Tropfkante, die den Tropfen von der Fassade löst, kein einziger Staupunkt: dieses Dreigespann entscheidet über die Lebensdauer des Bauteils. Die Edelstahlverschraubung wird passend zum Profil gewählt, nicht nach Lieferzeit. Auf der Dokumentenseite nehmen die Ausführungsunterlagen den Lastnachweis auf, das vom Hersteller freigegebene Befestigungsdetail, gegebenenfalls die bauaufsichtliche Zulassung und die genauen Profilreferenzen. Im Schadensfall antwortet dieser Satz Unterlagen anstelle des Betriebs.
Den Preis gegen ein billigeres Angebot verteidigen
Was sich belegen lässt und was man nicht verspricht
Belegen lässt sich: die gewählte Auskragung, die Sonnenhöhe am Breitengrad des Objekts, der daraus folgende Faktor, der genaue Zeitraum, in dem das Fenster verschattet ist. Nicht versprochen wird: eine Innentemperatur, eine Zahl gewonnener Grad, ein Ersatz für die Klimaanlage. Ein Vordach behandelt weder innere Lasten noch Speichermasse noch Nachtlüftung, und eine Wohnung ohne mögliche nächtliche Zusatzlüftung bleibt trotzdem warm. Das gleich zu Beginn zu sagen, unterscheidet ein technisches Angebot von einem Verkaufsgespräch.
Was ins Angebot geschrieben wird
Die Position wird aufgeschlüsselt: Auskragung in horizontaler Projektion, Abwicklung und Werkstoff des Profils, Art der Lastabtragung und Anzahl der Konsolen, Abdichtung, Oberfläche der Untersicht. Die Untersicht verdient ihre eigene Nennung, denn ein heller Ton wirft Licht in den Raum zurück und erzeugt am späten Nachmittag Blendung, was zum Streitfall wird, wenn es niemand aufgeschrieben hat. Die Zugangsmittel stehen in einer eigenen Position. Ein Angebot mit diesen fünf Zeilen vergleicht sich nicht mehr mit der Pauschale des Wettbewerbs.
Mit welchem Fenster man anfängt
Man beginnt mit einem bis drei Fenstern, denen, die große Glasfläche, Süd- oder Südwestausrichtung und einen nachmittags genutzten Aufenthaltsraum vereinen. Dafür braucht es die Bestandsliste: die KI von Argile erkennt die Öffnungen auf jeder Fassade und berechnet deren Flächen, sodass die Liste schon vor dem Ortstermin nach Ausrichtung sortiert vorliegt. Die übrigen Fenster gehen als bepreiste Variante ins Angebot, was dem Kunden eine Entscheidung lässt statt eines Preises.




