
Den CO₂-Fußabdruck von Beton auf einer Baustelle verstehen
Zement, Gesteinskörnung, Wasser: Wo entstehen die Emissionen (und was können Sie steuern)?
Auf der Baustelle stammt der Großteil der Betonemissionen aus dem Zement. Das Brennen des Klinkers schlägt am stärksten zu Buche. Was Sie tatsächlich steuern können, ist die Rezeptur: einen Zement mit geringerem Klinkeranteil wählen, die Dosierung auf den tatsächlichen Bedarf beschränken, die geforderte Festigkeit optimieren und Überdimensionierung vermeiden. Gesteinskörnung und Wasser spielen eine kleinere Rolle, aber regionale und rezyklierte Herkunft bringen noch ein paar Punkte.
Transport, Betonwerk, Ausführung: die auf der Baustelle oft unterschätzten Posten
CO₂ endet nicht bei der Rezeptur. Auf der Baustelle kann die Logistik die Bilanz nach oben treiben.
- Fahrstrecken des Fahrmischers und Häufigkeit der Fahrten.
- Wartezeiten, Rückläufer und Verschnitt.
- Pumpen, Verdichten, Nachbehandlung und Energieverbrauch der Geräte.
Ein enger Zeitplan, gut berechnete Mengen und ein nahegelegenes Betonwerk funktionieren wie die Dämmung eines Hauses: Erst werden die Verluste beseitigt, bevor man nach Wundern sucht.
FDES-Umweltdeklarationen und RE2020-Anforderungen: richtig lesen und vergleichen
Für die RE2020 stützen Sie sich auf INIES-Daten und die FDES (Umweltproduktdeklarationen) des gelieferten Betons. Vergleichen Sie identische Einheiten (meist 1 m³), dieselbe Leistung und dieselben Module. Prüfen Sie das Gültigkeitsdatum, den Geltungsbereich (A1-A3, Transport A4) und die Herkunft der Komponenten. Ohne passende FDES riskieren Sie, auf oft ungünstigere Standardwerte zurückzugreifen. Mehr zum Lesen dieser Dokumente finden Sie unter den Umweltproduktdeklarationen.
Einen für Ihr Bauvorhaben geeigneten CO₂-armen Beton wählen (ohne technisches Risiko)
Zemente mit geringerer Umweltwirkung, Zusatzstoffe (Hüttensand, Kalksteinmehl): die großen Betonfamilien
CO₂-armer Beton reduziert vor allem den Klinkeranteil. Er findet sich in „zusammengesetzten" Zementen (Typ CEM II) und, für bestimmte Anwendungen, in Zementen mit Hüttensand (Typ CEM III) oder mit kalksteinhaltigem Kalksteinmehl. Das Prinzip bleibt dasselbe: Der CO₂-Fußabdruck sinkt, ohne dass sich die Ausführungslogik ändert.
Expositionsklassen, Festigkeit, Verarbeitbarkeit: die Wahl je nach Bauteil absichern
Der eigentliche Sicherheitsanker ist, vom Bauteil auszugehen: Fundamente, Bodenplatte, Wand, frostexponierter Außenbereich, Parkhaus. Jeder Fall erfordert eigene Expositionsklassen (XC, XD, XS, XF, XA). Ergänzen Sie die Festigkeitsklasse (z. B. C25/30) und die Konsistenz (S2, S3) je nach Pumpbarkeit und Bewehrung.
Gute Praxis bei der Bestellung: Rezeptur, Rückverfolgbarkeit und Austausch mit dem Werk
Geben Sie bei der Bestellung Exposition, Festigkeit, Konsistenz, Dmax und Baustellenbedingungen an. Verlangen Sie die Rezeptur (mindestens Zementart und Zusatzmittel) und sorgen Sie über den Lieferschein für saubere Rückverfolgbarkeit. Eine kurze Abstimmung mit dem Werk verhindert zu steifen Beton oder ein zu früh angesetztes Ausschalen.
Das Betonvolumen in der Tragstruktur reduzieren: Hebel bei Planung und Ausführung
Querschnitte und Bewehrung optimieren: frühzeitig mit dem Statikbüro zusammenarbeiten
Der richtige Reflex ist, schon in der Vorplanung den richtigen Querschnitt anzustreben. Zusammen mit dem Statikbüro werden Spannweiten, Stützenabstände und tatsächliche Lasten angepasst. Ergebnis: weniger Beton, eine stimmige Bewehrung und weniger „sicherheitshalber" auf der Baustelle eingeplante Reserven.
Vorfertigung, Decken, optimierte Elemente: Material sparen, ohne an Qualität zu verlieren
Vorfertigung ermöglicht enge Maßtoleranzen und vermeidet überdimensionierte Stärken. Hohlkörperdecken, Spannbetonträger, Elementdecken oder gerippte Bauteile reduzieren den Materialeinsatz bei gleichbleibender Leistung. Der zusätzliche Vorteil ist die wiederholbare Qualität bei oft kürzeren Verlegezeiten.
Nacharbeiten und überdimensionierte Stärken begrenzen: Verlegeplan, Schalung, Toleranzen
Viel Volumen geht bei Nacharbeiten verloren. Ein klarer Verlegeplan, eine steife Schalung und kontrollierte Toleranzen vermeiden Mörtelausbesserungen oder doppelte Lagen. Planen Sie auch Aussparungen und Leitungsführungen vorab ein. Sie gewinnen an Präzision, und der gegossene Beton dient tatsächlich der Tragstruktur.
Ausführung und Nachbehandlung: CO₂-armen Beton 2026 auf der Baustelle erfolgreich einsetzen
Betonieren bei Hitze oder Kälte: Fristen anpassen und Schäden vermeiden
Bei manchen CO₂-armen Bindemitteln kann der Beton langsamer Festigkeit entwickeln. Verkürzen Sie bei Hitze die Wartezeiten. Begrenzen Sie Erwärmung und Verdunstung (Beschattung, kühles Wasser, verzögerndes Zusatzmittel). Schützen Sie bei Kälte vor Frost, planen Sie ein späteres Ausschalen ein und halten Sie eine günstige Temperatur, wie es die Ausführungsnorm (NF EN 13670) vorsieht.
Nachbehandlung, Schutz, Kontrolle: Dauerhaftigkeit sichern (und damit die Lebenszyklusbilanz)
Die Nachbehandlung macht einen Großteil der Leistungsfähigkeit aus. Halten Sie die Oberfläche feucht oder verwenden Sie ein Nachbehandlungsmittel, legen Sie eine Folie auf und schützen Sie die Kanten. Verlängern Sie bei langsamer erhärtendem Beton die Schutzdauer, um Rissbildung und Abstauben zu begrenzen. Verfolgen Sie Temperatur und Festigkeitsprüfungen gemäß den Grundsätzen der NF EN 206 und den Kontrollplänen.
Umgang mit Abweichungen: Was tun, wenn Konsistenz oder Festigkeit vom Sollwert abweichen?
Fügen Sie bei abweichender Konsistenz kein Wasser auf der Baustelle hinzu. Bevorzugen Sie eine kontrollierte Anpassung (Zusatzmittel, Mischzeit), die vom Lieferanten bestätigt wird. Verstärken Sie bei zweifelhafter Festigkeit die Probenahme, prüfen Sie Nachbehandlung und Rückverfolgbarkeit, und entscheiden Sie dann gemeinsam mit dem Labor und der Bauleitung. Ziel: null Überraschungen bei der Abnahme.
Ihren CO₂-armen Ansatz gegenüber dem Kunden und in den Baustellenunterlagen sichtbar machen
Nachweise, die Sie aufbewahren sollten: Lieferscheine, FDES, Bescheinigungen und Mengenverfolgung
Damit Ihre Wahl von CO₂-armem Beton auch auf dem Papier zählt, bewahren Sie Nachweise schon ab der Bestellung auf. Verknüpfen Sie jeden Betonguss mit einer Charge, einem Datum und einer Menge.
- Lieferscheine mit Werk, Rezeptur, Klasse und gelieferter Menge.
- FDES für den verwendeten Beton und die Bindemittel, abgerufen aus der INIES-Datenbank oder beim Lieferanten.
- Lieferantenbescheinigung und Übersichtstabelle der bestellten, gelieferten und tatsächlich eingebauten m³.
Ein einfaches Argument: CO₂-armen Beton dem Bauherrn ohne Fachjargon erklären
Erklären Sie einfach, dass der CO₂-Fußabdruck vor allem durch die Verringerung des Anteils an sehr emissionsstarkem Zement gesenkt wird, während die erwartete Leistung erhalten bleibt. Ergebnis: weniger CO2 auf der Baustelle, ohne die Nutzung des Gebäudes zu verändern. Klären Sie Preis, Fristen und Verfügbarkeit vorab.
Abstimmung mit den anderen Gewerken: Entscheidungen vermeiden, die die Betonmenge erhöhen
Der CO₂-Vorteil geht schnell verloren, wenn ein anderes Gewerk Nacharbeiten erzwingt. Planen Sie Aussparungen, Durchbrüche und Leitungsführungen frühzeitig mit der Bauleitung und den Fachgewerken ein. Ein vor der Bewehrung festgelegter Plan vermeidet überdimensionierte Stärken, zusätzliche Betonblöcke und Verschnitt. Halten Sie diese Entscheidungen in den Baubesprechungsprotokollen und im DOE (Bestandsdokumentation) fest.
Kennzahlen
-30 % bis -50 %
Reduktion
200–300 kg CO₂/m³
Emissionen Standardbeton
100–180 kg CO₂/m³
Emissionen CO₂-armer Beton
Häufige Fragen
Es gibt keine landesweite „MaPrimeRénov'"-Förderung speziell für Beton im Neubau: Die RE2020 schreibt vor allem ein CO₂-Ergebnis vor. Bestimmte Vorhaben können jedoch regionale Unterstützung (Region, Metropolregion) oder Boni über Labels (z. B. BBCA) erhalten; prüfen Sie Ausschreibungen und regionale Zuschüsse. Bei öffentlichen Aufträgen äußert sich die Anforderung meist über FDES/PEP-Umweltdeklarationen und einen IC-Construction-Schwellenwert statt über einen Pauschalbetrag.

Pierre-Louis Guhur
CEO von Argile


