
Legionellen in der Trinkwassererwärmung verstehen: Risiken, Pflichten und Aufmerksamkeitspunkte 2026
Warum sich Legionellen in Trinkwarmwassernetzen entwickeln
Legionellen bevorzugen lauwarme, wenig erneuerte Netze mit Ablagerungen und Biofilm. Sobald Wasser stagniert (Toträume, leerstehende Wohnungen, schlecht eingestellte Zirkulation), findet es ideale Vermehrungsbedingungen. Mischventile, Handbrausen und Perlatoren schaffen zusätzliche Misch- und Verschmutzungszonen. Das Hauptrisiko entsteht anschließend durch eingeatmete Aerosole, insbesondere unter der Dusche. Einatmungsrisiko.
Temperaturschwellen und Risikozonen: Speicher, Zirkulation, Entnahmestellen
Die günstigste Zone liegt zwischen 25 und 45 °C. In der Praxis strebt man einen Speicher nahe 60 °C und eine Verteilung an, die je nach Gebäudetyp warm genug bleibt, um über 50 bis 55 °C zu liegen. Sensible Punkte: unterdimensionierter Speicher, zu kalte Zirkulation, Netzlängen, verkalkte Duschköpfe. Lauwarme Zone.
Was Sie auf der Baustelle dokumentieren müssen: Messwerte, Anweisungen und Wartung
2026 bedeutet Wachsamkeit vor allem Rückverfolgbarkeit. Notieren Sie die Einstellungen (Speichersollwert, Zirkulation, Mischventile), die Vor- und Rücklauftemperaturmessungen, die Inbetriebnahme, die Spülungen und Durchspülungen. Übergeben Sie dem Kunden einfache Anweisungen: Temperaturanhebung, Nutzung nach Abwesenheit, jährliche Wartung, Entkalkung der Entnahmestellen. Rückverfolgbarkeit auf der Baustelle.
Die am stärksten exponierten TWE-Anlagen identifizieren: Felddiagnose vor der Wahl einer Vorrichtung
Stagnation und schlechten Abgleich erkennen: Zirkulation, Totstränge, geringe Nutzung
Beginnen Sie mit einer Begehung „Rohr in der Hand". Eine schlecht eingestellte Zirkulation, Totstränge (ungenutzte Anschlüsse, alte Abzweige) oder selten genutzte Entnahmestellen erzeugen Stagnation. Das ist der ideale Nährboden für Legionellen. Ermitteln Sie vor Ort die Bereiche, in denen warmes Wasser lange braucht, um anzukommen, und prüfen Sie, dass der Zirkulationsrücklauf an jedem Steigstrang tatsächlich vorhanden und schlüssig ist.
Netzdämmung und Verluste kontrollieren: lauwarme Temperaturen vermeiden
Messen Sie die Vorlauf-, Rücklauf- und Entnahmestellentemperaturen. Das Risiko steigt, wenn das Netz über lange Strecken „lauwarm" bleibt. Eine beschädigte Dämmung, offene Kanäle oder kalte Technikräume lassen die Temperatur sinken und verlängern die Wartezeiten. Beheben Sie zunächst sichtbare Verluste und passen Sie dann Durchflussmengen und Sollwerte an. Vertiefende Informationen zu Wärmeverlusten finden Sie unter den TWE-Speicherverlusten.
Sensible Punkte prüfen: Duschen, Mischventile, Perlatoren und Filter
Duschen und thermostatische Mischventile sollten vorrangig geprüft werden. Demontieren und reinigen Sie Perlatoren und Filter. Suchen Sie nach Kalkablagerungen, Verschmutzungen, verschlissenen Dichtungen. Planen Sie eine Spülung der wenig genutzten Entnahmestellen und tauschen Sie bei Bedarf Geräte aus, die schwer zu desinfizieren sind. Eine gute Diagnose vermeidet Überdimensionierung und sichert den Betrieb ab.
Die passende Legionellenschutz-Vorrichtung wählen: einfache, wirksame Lösungen
Thermischer Zyklus: Temperaturanhebung, Häufigkeit und Verbrühungsschutz
Die einfachste Lösung bleibt der thermische Zyklus. Die Idee ist, die lauwarme Zone zu begrenzen, in der sich Legionellen entwickeln. Programmieren Sie eine regelmäßige Temperaturanhebung des Speichers und prüfen Sie dann, dass das Warmwasser tatsächlich bis zu den Entnahmestellen heiß bleibt. Schützen Sie die Bewohner mit einem thermostatischen Mischventil und geeigneten Einstellungen, denn zu heißes Wasser verursacht schnell Verbrühungen.
Ergänzende Behandlungen: Filtration, UV, kontrollierte Chlorung je nach Kontext
Wenn das Netz komplex oder sensibel ist, kann eine zusätzliche Barriere sinnvoll sein. Feinfiltration hält die Ablagerungen zurück, die den Biofilm nähren. UV ist bei klarem Wasser wirksam, vorzugsweise auf einem eigenen Zweig. Chlorung kann gerechtfertigt sein, jedoch nur mit überwachter Dosierung, um Korrosion und Gerüche zu vermeiden.
Regelung und Programmierung: absichern ohne Mehrverbrauch
Eine gute Regelung erledigt die Arbeit im Hintergrund. Legen Sie Sollwerte fest, planen Sie die Zyklen in Schwachlastzeiten und überwachen Sie die Rücklauftemperaturen der Zirkulation. Das Ziel ist klar: Sanitärsicherheit, ohne dauerhaft mehr zu heizen als nötig.
Trinkwassererwärmung umsetzen und absichern: Einstellungen, Prüfungen und gute Installationspraxis
Wichtige Einstellungen: Speichersollwert, Rücklauftemperatur, Zeitschaltungen und Ventile
Stellen Sie den Speichersollwert aus Hygienegründen auf 60 °C ein und schützen Sie die Nutzer anschließend mit einem standortgerecht eingestellten Mischventil. Streben Sie bei der Zirkulation einen ausreichend warmen und stabilen Rücklauf an. Passen Sie die Zeitschaltungen von Pumpe und Nachheizung an, um kurze Taktzyklen zu vermeiden. Prüfen Sie Rückschlagventile, Begrenzer und Strömungsrichtung vor der Aufheizung.
Hydraulischer Abgleich der Zirkulation und Reduzierung der Totvolumen: schnelle Maßnahmen
Bei einer Zirkulation, die überall unregelmäßig zieht, beginnen Sie mit der Messung der Rückläufe und öffnen Sie die Abgleichventile dort, wo es nötig ist. Reduzieren Sie die Totvolumen, indem Sie unnötige Abzweige entfernen, Leitungen verkürzen und lauwarme Abschnitte dämmen. Eine zu leistungsstarke Umwälzpumpe kühlt mehr, als sie hilft. Reduzieren Sie bei Bedarf die Drehzahl.
Wiederinbetriebnahme-Protokoll: Spülung, Desinfektion, Temperaturkontrolle
Füllen Sie das Netz, spülen Sie an jedem Hochpunkt und durchspülen Sie es dann bis zu klarem Wasser. Wurde das Netz verändert oder war es stillgelegt, sehen Sie eine Desinfektion und eine schrittweise Temperaturanhebung vor. Kontrollieren Sie an den entferntesten Punkten und dokumentieren Sie die Werte. Das Ziel ist einfach: keine lauwarme Zone, die der lauwarmen, legionellenfördernden Zone Vorschub leistet.
Sicherheit nachweisen und dauerhaft gewährleisten: Überwachung, Wartung und Kundenkommunikation
Wartungsplan: regelmäßige Kontrollen, Entkalkung und Reinigung der Komponenten
Ein klarer Plan legt fest, wer was, wann und wie macht. Sie planen Sichtkontrollen, die Reinigung von Filtern und Wärmetauschern und anschließend eine Entkalkung, falls das Wasser hart ist. Ziel: Durchflussmengen und Temperaturen stabil halten, Verschleiß begrenzen und das Risiko einer Störung senken.
Wartungsheft: Einsatzberichte, Messwerte und Alarme bei Abweichungen
Das Wartungsheft bündelt die Einsatzberichte, die Einstellungen, die Messwerte (Temperaturen, Druck, Durchflussmengen) und die Vorher-Nachher-Fotos. Bei einer Abweichung löst ein einfacher Alarm einen Kontrollbesuch aus. Das ist Ihr Nachweis für Sorgfalt und eine nützliche Grundlage im Kundendienst.
Argumentation gegenüber dem Kunden: Sanitärsicherheit, Komfort und Kostenkontrolle 2026
Gegenüber dem Kunden verbinden Sie Überwachung und Gesundheit. Geeignete Temperaturen und eine regelmäßige Wartung senken das Legionellenrisiko und gewährleisten gleichzeitig stabiles Warmwasser und kontrollierte Geräusche. 2026 vermeidet diese Überwachung Mehrverbrauch und sichert Fördermittel dank einer Anlage, die konform und leistungsfähig bleibt. Für die Einordnung der guten Praxis und der Kontrollpunkte orientieren Sie sich auch an den Pflichten und der guten Wartungspraxis.
Kennzahlen
50 °C (Verbrühungsrisiko)
T Verteilung max
55 °C
T Speicher min
70 °C / 30 Min. monatlich
Thermoschock
Häufige Fragen
In der Praxis sollten Sie bei risikobehafteten Anlagen (Zirkulation, Sammelduschen) mindestens 1 Zyklus pro Woche und nach jeder Stillstandszeit vorsehen. Der Zyklus besteht in der Regel darin, den Speicher auf 60–65 °C zu bringen und zu prüfen, dass die Entnahmestellen für die vorgesehene Zeit mindestens 55 °C erreichen, mit Rückverfolgbarkeit (Datum, Temperaturen, Dauer).

Louis Meneteau
CPO von Argile


